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To buy or not to buy…?

Geschrieben von: Sandmann am 08.08.13  » Menschen und Maschinen - Artikel

Jede treue Seele retten?
Jede treue Seele retten?

Jede treue Seele retten?

Als Shakespeare seinen Hamlet, Prinz von Dänemark diesen weltberühmten Monolog brabbeln ließ spürte er die Nähe des Todes und hegte Selbstmordgedanken. Also, Hamlet jetzt. Das soll nicht Thema dieser kleinen Geschichte sein, aber aus gegebenem Anlass möchte ich euch mal diesen ewigen Gewissenskonflikt vor Augen führen. Touranus hat sich einen Volvo gekauft. Bevor ich meinem Taxi-Benz zusagte hätte ich das auch fast getan, und der wäre gar nicht so schlecht gewesen. Mit Geschichte. Aber rette ich auch streunende Hunde in Spanien? Nehme ich jedes alte Auto, das mir was bedeutet in meinen Harem auf? Nein.

Der Vergleich mit den Hunden war doof. Was ich meine: Irgendwie wächst mir jedes verstoßene Auto am gefühlten Ende seiner Tage sofort ans Herz. Ist das nicht furchtbar?

Ziemlich viel Rücklicht
Ziemlich viel Rücklicht

Ziemlich viel Rücklicht

Wie in der letzten Geschichte breitgetreten suchte ich einen Ersatz für Rudolf, unter 1000 Euro, Diesel, Kombi, Anhängerkupplung. Und kein Opel oder Ford, kein Golf und bitte mit einem Jahr TÜV. Zack hab ich ein Bild von einem alten schwarzen Volvo 850 TDI auf meiner Facebook Pinnwand! Eine alte Schulfreundin will sich von dem Wagen trennen, es ist das Auto ihres leider vor einigen Jahren verstorbenen Bruders und es wäre super, wenn der nicht nach Afrika ginge sondern zum Beispiel in meine liebenden Hände wandern würde. Stimmt. Ich horche auf, alles passt. TDI (der brabbelnde Fünfzylinder aus LT und Audi), Kombi, gut ausgestattet und sogar schwarz! Geil. Hinzu kommt, dass diese Modellreihen vom 740 bis V70 irgendwie einen bollwerkhaften Charme der Unzerstörbarkeit ausstrahlen, den ich sehr angenehm finde. “Da muss aber was dran gemacht werden” sagt sie am Telefon. Für den TÜV. Der ist nämlich abgelaufen. Mist. Aber ich will ihn mir zumindest mal angucken. Nur mal angucken :-)

Schwedengemütlichkeit
Schwedengemütlichkeit

Schwedengemütlichkeit

Auf den ersten Blick ist alles ganz cool. Der Schwedenstahl rostet irgendwie nicht, also sind da schon mal keine Baustellen. Bei 400.000 ist allerdings die Tachowelle kaputt gegangen, das ist jetzt ein Jahr her und der Zahnriemen muss dringend gemacht werden. Nicht für den TÜV, sondern fürs eigene Seelenheil. Zwei Stück, drei Umlenkrollen, 600 Euro. Mist. Die vorderen Bremsen flattern beim Bremsen, aber erst seit die Reifen von hinten nach vorn getauscht wurden. Doof. Und – irgendwo kleckert der alte Herr Servoöl. Die Pumpe ist es nicht, mehr kann man aber in dem gut gefüllten Motorraum nicht sehen. Das KANN teuer werden, Druckschläuche gibt es nur bei Volvo. Der Gatte meiner Schulfreundin zeigt mir all diese To Do’s offen und ehrlich, während ihr Blick (vermutlich aufgrund meines eigenen Gesichtsausdrucks) immer weiter zerbröselt. Ich würde das Auto für weniger als die Hälfte des von mir veranschlagten Preises bekommen. Aber… ist es das, was ich will?

Dickes Ding
Dickes Ding

Dickes Ding

Vor 20 Jahren hätte ich so ein Angebot genommen, ein ehrliches Auto mit reparablen Macken. Auch wenn das alles gemacht wird wäre der Gesamtpreis noch immer angemessen, und der Wagen würde weiterleben. Aber nach einer Nacht drüber schlafen habe ich abgesagt. Schließlich suche ich kein ein Auto, an dem ich meine reich bemessene Freizeit verballern kann (hahahaaa) sondern einen unkomplizierten Begleiter über den Winter. Schade. Sehr schade, ich hätte die Geschichte gern weitergeschrieben. Inzwischen ist der Wagen tatsächlich nach Afrika gegangen, für einen lächerlich kleinen Preis. Ich glaube, das ist das erste mal, dass ich ein altes Auto angucke und es NICHT gekauft habe. War das doof? Oder weise? Ich mag die alten Volvomodelle sehr gern, auch der V70 von Touranus wird uns noch einige Themen lang begleiten. Doch ich glaube, an dem hier hätte ich zu viel machen müssen. That’s the question, Herr Hamlet. Sagt mir bitte, dass es so ist :-(

Sandmann

Original: Sandmanns Welt


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