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SauBärkeit – oder nicht mehr ganz sauber ?

Geschrieben von: karinwurster am 30.08.13  » Menschen und Maschinen - Artikel

Kein Stäubchen lässt sich hier finden, es ist SAUBER GENUG!

Bei meinem Mann beschränkt sich die Freude am Putzen leider nur auf gewisse Fahrzeuge.

Wie herrlich ist es, nichts zu tun und dann vom Nichtstun auszuruhn. Das wusste schon Heinrich Zille vor 100 Jahren – und auch dieses Jahr hat sich daran nichts geändert. Endlich Urlaub, Ferien, Chillen, wie es auf Neudeutsch heißt, deshalb auch eine leicht verspätete Sommerausgabe von Karins Kolumne.

Jetzt aber sind Körper und Geist erholt und mit frischem Schwung lassen wir die Gedanken ca. 4 Wochen in die Vergangenheit schweifen: Der Urlaub steht vor der Tür (gibt es was Schöneres?) und es stellt sich die elementare Frage “Mit welchem Auto fahren wir?

Theoretisch ist die Auswahl groß, praktisch sollten drei Kinder, der Hund und vielleicht noch ein bisschen Gepäck hineinpassen. Bleibt also nur die Familienkutsche, der Galaxy. Leider befindet sich der Innenraum desselbigen in einem bemitleidenswerten Zustand. Und außen sieht er ehrlich gesagt nicht viel besser aus. Ich fühle mich hier nicht zuständig. Ich möchte mit einem Auto nur von A nach B fahren, weiter nichts. Wartung und Pflege, dachte ich, könnte ich meinem autobesessenen Gatten überlassen. Der jedoch behandelt das einzig vorhandene praktische Fahrzeug wie ein Stiefkind, während gewisse Autos, die entweder ein hohes Alter oder eine hohe PS-Zahl (oder beides) aufweisen können stets liebevoll umsorgt und verhätschelt werden.

Es ist wahrhaftig sonderbar, mein Mann kleckert und tropft ungeniert die Küche voll, Chipskrümel gehören anscheinend aufs Sofa und mit schmutzstarrenden Schuhen durchs Haus zu stiefeln macht ihm überhaupt nichts aus. Sobald er sich aber einer seiner geliebten Blechkisten nähert, vollzieht sich eine äußerst rätselhafte Wesensveränderung. Mann öffnet die Autotüre und betritt eine andere Welt. Der Innenraum ist vollkommen staubfrei und nicht auch das kleinste Parkscheinchen wagt es, die Illusion zu zerstören, man befände sich in einem Neuwagen. Sprachlos stehe ich jedesmal davor, wenn es wieder so weit ist und mein Liebster eine Armada von Putzmitteln, Läppchen, Schwämmchen und allerlei dubioses Gerät im Hof aufbaut. Und wenn dann sein genialer Tornado Hochdruckreiniger mit eingebauter Absaugvorrichtung zum Einsatz kommt, dann glänzen seine Augen mindestens so sehr, wie der eben erst hingebungsvoll polierte Schaltknüppel.

Als letztes Jahr ein Audi S6 zu uns stieß war die Freude groß, wie immer. Nur eines trübte die Stimmung: Die Sitze… die Sitze waren in einem untragbaren Zustand. Der Alcantara-Bezug böbbelte. Zum Glück wusste der beste Freund einen Ausweg aus dem Dilemma: eine Fusselfräse musste her! Ich erinnere mich noch sehr gut, dass ich beim auspacken des Postpakets ernsthaft am Geisteszustand meines Mannes gezweifelt habe. Die Kinder dagegen waren gleich begeistert und haben alles entfusselt was ihnen in die Quere kam. Nur gut, dass wir damals den Hund noch nicht hatten.

Als mein Mann nach Hause kam erwachte einmal mehr das Kind in ihm, und mit einer beispiellosen Hingabe und viel Rattattattata wurden die Audisitze bearbeitet bis auch dem letzten armen Fusselchen der Garaus gemacht war. Aber damit noch nicht genug. Möglicherweise könnte alles noch viel sauberer oder sogar porentief rein sein, wenn man dem ganzen noch eine Schaumreinigung angedeihen ließe. Und wenn ihn mal der Putzwahn gepackt hat, dann ist mein Bester nicht mehr zu bremsen. Die Flanken, die aus echtem Leder sind, brauchen natürlich eine besondere Pflege, nämlich den Spezialreiniger mit Karnauba-Wachs.

Karin
Karin

Karin

Fassungslos beobachte ich das Treiben und frage mich, ob die Veranlagung zum selektiven Sauberkeitsfimmel auf irgendeine genetische Disposition zurückzuführen ist und in grauer Vorzeit eventuell beim Jagen von Vorteil war – oder ob mein Mann einfach nur bekloppt ist. Unglücklicherweise sind wir nun aber der Lösung des ursprünglichen Problems nicht näher gekommen, der Galaxy vegetiert im Schmutz dahin und man müsste dringend Platz schaffen für neuen Müll und Dreck, wie er im Urlaub eben anfällt. Vielleicht sollte ich nach dem Verursacherprinzip vorgehen.”Kinder alle herkommen, es gibt Arbeit. Und wer nicht spurt darf nicht mit.” Ganz einfach eigentlich…

Wir kehren zurück in die Gegenwart, der Urlaub ist vorbei (wie traurig) und der Galaxy hat seinen Urzustand wieder erreicht. Eigentlich stört es mich nicht, andererseits könnte ich die Kinder noch einmal bemühen. “Zur Belohnung dürft ihr sogar die Sitze wieder schön machen – mit der sagenhaften Fusselfräse.

Karin

Original: Sandmanns Welt


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