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Nissan Leaf – Detailbericht von 100 Tagen mit dem Elektroauto – 2.Teil

Geschrieben von: Thomas am 07.08.12  » Visionen - Via Blog

ElektroautoIm Zuge der „The Big Turn On“ Kampagne hatte ich Gelegenheit den Nissan Leaf bis in die hinterste Ecke kennenzulernen – 2.Teil

Der Fahrkomfort

Überragend komfortabel. Schlicht und ergreifend ist der Nissan Leaf das komfortabelste Auto seiner Klasse. Kurze Bodenwellen oder Fugen vermag das Fahrwerk zwar nicht optimal zu verbergen, das ist aber auch nicht weiter schlimm. Denn nicht das Fahrwerk macht dieses Elektroauto zu einer Sänft, sondern die Stille. Man mag es kaum fassen wie ruhig es in diesem Auto zugeht. Bis auf das sehr leise Surren des Triebstrangs dringt kaum ein Geräusch in den Innenraum durch. Das liegt nicht zuletzt an der ausgeklügelten Aerodynamik des Nissan Leaf. So ungewohnt die vorderen Scheinwerfer aussehen mögen, so effektiv lenken sie aber den Fahrtwind von den Außenspiegeln ab und vermeiden damit störende Windgeräusche. Mein Kollege Alex Kahl hat hierzu ein kleines Video gedreht.

Diese Stille möchte auch nicht durch ein lärmendes Radio unterbrochen werden, weshalb ich persönlich zu 90% ohne zusätzliche Beschallung gefahren bin. Die Ruhe und das Bewusstsein, dass man mit dem Gasfuß hinsichtlich der Reichweite sensibler umzugehen hat als beim konventionellen Verbrenner schafft eine ganz eigene Atmosphäre. Man wird, ganz unmerklich, zu einem entspannten Autofahrer. Statt 100 km/h reichen einem plötzlich 80 km/h. Statt hektischem Überholen passt man seine Geschwindigkeit lieber dem Verkehr an und schwimmt mit.

ElektroautoDie Leistung

Ein Auto mit einem Gewicht von um die 1.700 kg und einer Leistung von 80 kW / 109 PS reißt heutzutage niemanden mehr vom Hocker. Klar, der Verbrennungsmotor braucht in der Regel Drehzahl um die Leistung abrufen zu können. Ganz anders beim Elektroauto. Die 260 Nm max. Drehmoment des Nissan Leaf liegen quasi bereits bei 0 Umdrehungen an. Aus dem Stand bringt der Elektromotor seine volle Leistung. Vor allem im Stadtverkehr macht die Leistungsentfaltung des leaf’schen Antriebsstranges besonders fiel Spaß und vermittelt trotz des hohen Gewichts und der komfortablen Fahrwerksabstimmung ein Gefühl von Sportlichkeit. Auf der anderen Seite ist er natürlich überhaupt nicht für’s Kurvenräubern zu gebrauchen. Dafür ist alleine die zu bewegende Masse fiel zu träge. Da muss man eben wissen was man als Käufer möchte.

Der Innenraum

ElektroautoKommen wir nun zu den Inneren Werten des Nissan Leaf. Die helle Einrichtung des Testwagens wirkt freundlich und aufgeräumt und bietet den Passagieren ein großzügiges Platzangebot. Vorne wie hinten findet jeder die richtige Sitzposition zum Wohlfühlen. Getestet wurde das bis zu einer Größe von etwa 1,95 m. Gewöhnungsbedürftig könnte für den einen oder anderen allerdings die relativ Flache und tiefe Position des Lenkrades sein.

Auch die verbauten Materialien fühlen sich durchweg hochwertig. Etwas anfällig zeigten sich die in Klavierlack-Optik in schwarz gehaltenen Intarsien. Jedes Staubkörnchen, sei es auch nur ein winziges µ (Mü) klein wird darauf sichtbar. Fingerabdrücke sind auf den Armaturen in der Mitte des Armaturenbretts deshalb ebenso als obligatorisch anzusehen wie Schmier- und Wischspuren.

Die Bedienbarkeit

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Zur Bedienbarkeit der einzelnen Elemente lohnt es kaum einen eigenen Unterpunkt aufzumachen. Mit etwas Übung und dem gewissen Maß an Neugier und Offenheit findet man sich mit dem sehr übersichtlich gestalteten Cockpit sehr schnell zurecht.

Für einige Verwirrung sorgt jedoch auch nach längerer Nutzung noch der silberne Schaltknauf. Zum Einlegen des Rückwärtsganges muss der Fahrer den Knubbel zunächst zu sich heranziehen und dann nach vorne drücken. Für das Einlegen einer der beiden Fahrstufen um nach vorne zu fahren zieht man den Schaltknauf ebenfalls erst zu sich und dann nach hinten. Das ist irgendwie ungewohnt und in meinen Fall blieb es das auch. Aber meine Lernphasen waren schon immer etwas länger.

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Nissan Leaf Kofferraum (Quelle:greenmotorsblog.de)
Der Stauraum

Nun kommen wir zu einem häufig kritisierten Manko des Nissan Leaf, dem Kofferraum. So klein ist er eigentlich gar nicht, aber durch den Akkupack doch so zerklüftet, dass sich der Einkauf von 3 normal dimensionierten Bierkisten schon als kleines Problem erweist. Durch die umklappbaren Rücksitzlehnen lässt sich der Kofferraum aber so vergrößern, dass sich auch sperriges, weil langes Transportgut mit dem Elektroauto transportieren lässt.

Fazit

Ich würde ihn mir kaufen. Und nein, ich bekomme kein Geld für diesen Artikel, das ist meine ureigene Meinung, auch wenn man ihn als Lobeshymne werten kann. Aber genau hier kommen wir zur Krux von dem Ganzen. Der Leaf kostet in der Einstiegsvariante 36.990 €. Das muss man sich erst einmal erlauben können, ich kann es nicht. Für Interessenten die jetzt schon abwinken wollen, ich bin über alle Maßen sicher, dass sich Nissan dahingehend noch etwa einfallen lassen wird. Denkbar könnte ein Leasingmodell für die Batterieeinheit sein wie es der französische Allianzpartner Renault bereits jetzt schon anbietet. Damit dürfte sich der Kaufpreis des Nissan Leaf um etwa 10.000 € reduzieren.

greenmotorsblog.de


Original: greenmotorsblog.de


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